Zucker und Kekskrümel rieseln auf meine Jacke, der eisige Wind zerrt an meiner Kapuze. Meine langen Haare flattern mir, zusammen mit dem Schalende, vors Gesicht und rauben mir den Blick in die Ferne. Die Ferne. So sehr lockte sie in den letzten grauen Wochen und so weit weg erschien sie mir.
Ein paar Tage Ostsee…
die sollte es richten. Ungeschickt, dass sie mit dem ersten warmen Vorfrühlingswochenende und einem Feiertag zusammenfielen. Dass alle Menschen dasselbe Bedürfnis nach Licht, Wärme und Weite hatten und der Strand mir von Ameisen bevölkert erschien. Das war in meinen Träumen anders gewesen.
Da bekam ich den Tipp: „Fahr zum Hafen. Nimm die große Fähre zur Südspitze Dänemarks. Die haben im Winter ein Angebot für Fußgänger.“ Ich schaute nach der Uhr, fortgeschrittener Vormittag. Horchte in mich hinein: „Nein!“, sagte der Kopf. „Ja!“, beschloss ich.
Sanft brummt und vibriert das haushohe Schiff
Ich wickle den Schal fester um mich herum und greife nochmal in die blaue Keksdose mit dem dänischen Buttergebäck, sie stammt aus dem Laden der Fähre. Vor mir die graublaue Weite, im Gegenlicht wie fließendes Silber. Darauf tanzende Lichtflecken. Die wenigen weiteren Fahrgäste haben sich in den Windschatten oder nach drinnen zurückgezogen. Ich koste die Zeit hier draußen aus, möchte keinen Moment verpassen. Auch wenn mir die Kälte in den Knochen sitzt.
Die Fähre zittert und legt an. Durch einen Gang, der in ein turmartiges Treppenaus mündet, gelangen wir, knapp zwei Handvoll unmotorisierte Passagiere, an Land und zerstreuen uns auf dem Parkplatz. Ich sehe mich um. Am Ufer die Werftanlage mit hohen Kränen. An Land ein paar geduckte rote Backsteingebäude. Ich folge der Straße ins Dorf und bin zwei Abzweigungen weiter schon wieder draußen.
Rechts von mir liegt ruhig im Sonnenlicht die Ostsee
Links von mir gepflügte mattbraune Erde, dazwischen ein paar Büsche und Bäume, in der Ferne ein Leuchtturm, dahinter die Südspitze Dänemarks. Ich sauge die klare Luft in die Lunge und laufe los, bin berauscht von der Stille. Die Straße führt über weites Land, passiert den Leuchtturm. In der Ferne hängt zwischen den Bäumen Nebel. Ab und an fährt ein Auto vorüber, sonst ist dort niemand.
Ich biege um eine Kurve und laufe auf die See zu, die Straße mündet in einen kleinen Parkplatz, auf dem ein einzelner Wagen steht. Dann trete ich ans Ufer, mache ein paar Schritte die Holztreppe hinab und stehe am schmalen steinigen Strand. Linker Hand bricht das Land steil zum Strand ab. Das Kliff leuchtet ockerbraun im Abendlicht. Leise lecken kleine Wellen ans Ufer. Sie spielen mit den rundgewaschenen Kieseln. Die Silhouette eines Anglers in Wathosen kann ich in der Ferne im Wasser erkennen. Sonst ist da nichts.
Lächelnd atme ich durch.
So ist das also geworden an der Ostsee – wie schön, dass Du weiter gereist bist. Da atme ich gleich lächelnd mit durch 🙂 Blühende Grüße von Anna
Danke dir, Anna 🙂 Ja, der Abstecher nach Dänemark war wunderschön und ruhig. Herzlich Rebecca